Glücksgedanken

Warum heißt es viel zu oft „ich muss“ und viel zu wenig „ich will“?

Hallo ihr Lieben!

Anmerkung: Dieser Blogbeitrag ist bereits zwei Jahre alt, ich wollte ihn aber trotzdem veröffentlichen.

In letzter Zeit beschäftige ich mich sehr viel mit dem muss, will, soll und kann des Handelns im Leben. Dem, was wir tun, obwohl wir es nicht wollen, weil wir es tun müssen.

Ich schrieb dazu auf Twitter: „Immer zwischen dem Stehen, was man tun muss und dem, was man tun will.“

Daraufhin bekam ich diese Antwort: „Ich denke, das nennt sich Leben.“

Aber tut es das? Ist wirklich so das Leben vorbestimmt? Wenn ja, dann will ich das so nicht. Zumindest nicht in dem Ausmaße, den ich nicht selbst bestimmen kann. Denn eine Tätigkeit mit „muss“ einzuleiten, hat direkt etwas von Ultimatum, eine Sache, die man bestmöglich schnell erledigen muss und für mich birgt das Wort „muss“ auch eine gewisse Negativität. Ich muss noch den Abwasch machen, ich muss noch die Hausarbeit schreiben. Wer formuliert solche Aufgaben schon mit ich will? (Diejenige, die den Alltag positiver sehen oder die dem Abwasch und der Hausarbeit gegenüber positiv eingestellt sind vermutlich)

Aber genau das sollte man eigentlich tun. Ich will nicht meine To-Do-Liste für den Tag sehen und direkt denken: „Ich muss dieses, ich muss jenes, urgh, lieber ganz vergessen und was ganz anderes machen, worauf ich eigentlich Lust habe!“

Denn so geht es mir viel zu oft! Sicherlich, Prokrastination ist da kein gut gewähltes Mittel, auch Verdrängen macht es nicht besser. Aber in meinem Leben gibt es viel zu viel, was ich mit einem ich muss untermauere.

So zum Beispiel auch Social Media. Es ist leider so. Dank der Reichweitenbegrenzung bei Inaktivität steht jeden Tag ein Muss vor allen sozialen Plattformen. Ich muss noch ein Bild posten, ich muss noch Hashtags einfügen, ich muss noch eine tolle Bildunterschrift schreiben, ich muss mir andere Beiträge ansehen, ich muss XY Mal kommentieren, ich muss XY Mal liken, ich muss einen Blogbeitrag schreiben, ich muss auf dem Laufenden bleiben. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, mir all die tollen Bilder, Nachrichten oder Beiträge von anderen Menschen anzugucken, aber ich will es nicht machen, weil ich das Gefühl habe, dass ich es machen muss, sondern weil ich es machen will. Das ist immer ein Geben und Nehmen und im Social Media Bereich nicht ganz leicht trennbar, denn wie gesagt, ich schaue mir gerne alle Bilder etc an. Aber wenn ich nichts zu sagen habe zum Post, dann kommentiere ich auch nicht zwingend, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass ein „schön!/Guten Morgen!/tolles Bild!“ dem Ersteller so viel bringt. Ich tue mich schwer mit solchen Kommentaren, da gerade Instagram auch dazu verschrien ist, solche Kommentare von Boots wahllos an fremde Accounts rauszuhauen, ohne je das Bild dazu gesehen zu haben, oder auf die Bildunterschrift einzugehen. Ich habe dann schnell das Gefühl, das wirkt zu belanglos, zu oberflächlich, zu hingeklatscht und nichtssagend. Als würde ich nicht das spezielle Bild oder den speziellen Beitrag meinen, sondern einfach alle dieser Welt. Aber ich schweife ab… Wie seht ihr das? Verratet es mir gerne in den Kommentaren!

Jetzt war ich unterwegs mehrere Tage und danach ging es mir psychisch nicht sehr gut. Daher habe ich sechs Tage lang nichts auf Instagram gepostet, auch auf Facebook nur sporadisch. Von meiner Reichweite fang ich gar nicht erst an, das ist ein alter Hut, aber ich dachte direkt: „Oh Gott, ich habe 6 Tage lang nichts gepostet, ich muss doch eigentlich jeden Tag was posten, ich muss jetzt hier aber was schreiben und machen und tun usw.“. Tatsächlich habe ich dann ein Bild gepostet, eine kurze Bildunterschrift und nur ein zwei Hashtags. Denn:

Ich muss gar nichts!

(Auch hier gibt es Ausnahmen, aber mir geht es speziell um die  Lebenseinstellung, um den Umgang mit täglich anfallenden Aufgaben und den daraus für sich resultierenden Konsequenzen.)

Ich selbst und die Außenwelt suggeriert mir das ´ich muss´. Gut, ein Job sollte man schon haben, ich vermeide bewusst das Wort muss, denn manche finden auch einfach keine Arbeit, aber irgendwie muss man ja auch Geld verdienen. Das ist etwas, womit ich mich mit dem Abschluss meines Studiums schon sehr beschäftige.

Natürlich kann man einiges eliminieren und natürlich geht das bei einigem nicht. Ich werde nie sagen, achja, ich will jetzt mal abspülen, weil das ist ja schon ganz cool! 😉 Aber ich möchte nicht jeden Tag graue Haare und schlechte Laune kriegen, weil es zu viele Dinge gibt, die ich machen muss, die ich aber gar nicht machen will.

Was tue ich dagegen?

Um es auf den Punkt zu bringen:

  1. Aufhören aufzuschieben. Je länger ich eine lästige Tätigkeit vor mich herschiebe, desto schlimmer wird es und desto widerwilliger werde ich sie tun.
  2. Mich nicht mehr von social media erdrücken lassen.
  3. Freizeitaktivitäten als Freizeit betrachten und nicht als weitere Punkt auf der To-Do-Liste. Zeitungen lesen, ein Buch lesen, angestaute Bilder bearbeiten, plotten. Alles Dinge, bei denen man meist vorankommen will. Aber das sollte sie noch lange nicht zu einem Muss-Faktor machen.

Und sich dann auch die Frage zu stellen:

Muss ich das wirklich? Oder kann ich? Was ist wirklich im wahren Leben ein Ultimatum, und was nur in meinem Kopf?

Zum Beispiel ich muss den Abwasch machen. Ich kann es aber auch morgen. Mag sein, dass so Prokrastination entsteht, aber wie gesagt, ich glaube, wie wir Dinge für uns selbst formulieren macht viel aus und da ich ein „ich will…“ vor manchen Dingen mir ohnehin nicht glaube, hilft es vielleicht eher, sich ganz direkt zu fragen, ob dieses oder jenes wirklich gemacht werden muss. Denn meistens impliziert das muss auch eine zeitliche Notwendigkeit, die aber in Wirklichkeit nicht immer gegeben ist. (Zum Beispiel den Vorrat aufräumen. Das kann man meistens irgendwann mal machen, wenn man eher den Kopf dafür hat.)

PS: Man sollte meinen, ich hasse Social Media, dem ist definitiv nicht so, aber es ist einfach das Einfachste und logische Beispiel für so viele Erklärungen 😉

Ich weiß nicht, ob jetzt das rübergekommen ist, was ich sagen will. Das ist auch der Grund, warum ich ihn bisher nie veröffentlicht habe. Kennt ihr das Gefühl?

Wie ergeht es euch damit? Was habt ihr für Muss-Angelegenheiten, die gemacht werden müssen? Findet ihr das sehr schlimm? Was wollt ihr mehr tun, was sollt/könnt ihr mehr tun?

Beitragsbild: Unsplash (Quelle)

signatur

 

 

2 Kommentare zu “Warum heißt es viel zu oft „ich muss“ und viel zu wenig „ich will“?

  1. Liebe Nadine, ein bewegender Post, ganz egal wann du ihn geschrieben hast. Ich habe mich ganz bewusst in 2019 mit der Achtsamkeit beschäftigt. Teilweise auch, weil in den letzten Jahren im meinem nahen Umfeld viel passiert ist, Krankheiten etc. irgendwann wird es dann auch für einen soliden starken Menschen schwer nicht unterzugehen. Aber wir wissen ja Prävention ist das Beste was man tun kann. Im Rahmen der Achtsamkeit habe ich die Atem Meditation auf eine coole Art kennengelernt. Falls dich das Thema interessiert schau dir gerne meinen Beitrag zu 7Minds auf meinem Blog an.

    Mir hat das alles geholfen einfach eine komplett andere Denkweise zu bekommen. Eben dieses „ich muss“ zu ersetzen. Die Dinge anders zu betrachten und anzupacken. Auf mich zu hören. Klar liebe ich den Abwasch und Haushalt nicht wirklich – wer mag das schon xD – aber es gibt Mittel und Wege. Ich liebe es z.B. Hörbücher oder Podcasts zu hören also habe ich beides miteinander verknüpft. So erledige ich den Haushalt und habe dennoch me time und kann etwas für mich tun.

    Klingt total banal aber vor einem Jahr wäre ich da gar nicht auf die Idee gekommen.
    Bei Instagram & Co teile ich deine Meinung. Ich poste auch jeden Tag, vor allem jetzt da ich Urlaub habe aber auch hier habe ich mir einfach ein Limit gesetzt 1-2 Std. und fertig danach ist der Druck raus. Und bisher reicht das für den Aufbau der Reichweite auch. Alternativ denke ich mir auch immer: Wer sich wirklich für mich und das was ich tue und schreibe interessiert wird mir auch folgen, wenn ich mal etwas pausiere und nichts zu sagen habe.

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen!

    Ganz liebe Grüße, Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

    Gefällt 1 Person

    • Ein großes Dankeschön für deinen ausführlichen und langen Kommentar!

      7Minds kenne ich, aber die kostenlose Variante ist dann für mich zu eingeschränkt, daher habe ich den Newsletter und die App wieder gelöscht.

      Das mit den Podcasts hatte ich auch schon überlegt. Ich wohne in einem Wohnheim u.a., da ist es mir dann schnell unangenehm, wenn ich mit Kopfhörern da stehe, während andere Leute in der Küche sind und vielleicht was sagen wollen, zumindestens wenn man ihnen die Chance dafür geben will. Aber immer wenn ich in NRW im Elternhaus bin (und das bin ich ja so oft wie möglich) werde ich das definitiv umsetzten, Danke dir.
      Ja bei Instagram kommt dazu das ich derzeit drei Accounts habe, hatte auch schon welche aufgebgeben, aber ich komme immer wieder zu diesen 3 zurück! Der eine ist privat, da folge ich auch bewusst nur 50 Leuten, da ist das nicht so wichtig, aber die anderen beiden sind eben professionell, täglich aktiv sein etc und da reichen 30 Minuten nicht Ergo komme ich schon auf 2 Stunden, wenn ich bei jedem Account 1 Std online bin. Sind hausgemacht Probleme, ich weiß. Ich hatte jetzt auf dem Fotografieaccount 6 Wochen nichts im Feed gepostet, bewusst für ein paar Wochen Abstand genommen und mich stattdessen in den Stories gezeigt. 30 Follower sind mir in der Zeit entfolgt. Das ist nervig und schmerzhaft, besonders, wenn man einfach nicht wächst oder die Interaktionsrate so niedrig ist und gerade Fotografen sind nochmal ein gaaaanz anderes Genre als mein Schreibaccount. Bei meinem Schreibaccount habe ich bestimmt immer pro Post doppelt so viele Kommentare zb. Ich habe auch schon Bücher und Zeitungen zum Thema Achtsamkeit und Meditation gekauft und bin zb ein sehr großer Fan von ASMR.

      Liken

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